Konzeption Snoezelen

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Konzeption Snoezelen

1. Definition des Snoezelen

Snoezelen ist ein Freizeitangebot für geistig- und mehrfachbehinderte Menschen, die wenig andere Aktivitäten nutzen können. Der Begriff Snoezelen setzt sich zusammen aus den holländischen Worten „snuffelen“ = schnüffeln schnuppern und „döselen“ = dösen, schlummern.

Snuffelen steht in diesem Fall für die Sinne, also Sehen, Fühlen, Schmecken, Hören und Riechen. Döselen steht hier für alle emotionalen Sinneserfahrungen wie Geborgenheit, Schmusen, Wiegen, Körperkontakt und sich wohl fühlen.

Snoezelen ist eine Aktivität, welche den behinderten Menschen angepasst ist und es ihnen ermöglicht, grundlegende Sinneserfahrungen im taktilen, emotionalen und kognitiven Bereich zu machen. Den behinderten Menschen soll in angenehmer Atmosphäre die Gelegenheit geboten werden, sich für die Reize und für die Umwelt und damit verbunden auch für sich selbst zu öffnen. Es wird den Betroffenen die Möglichkeit geboten, der Umwelt und dem Alltag zu entfliehen. Ein wesentlicher Bestandteil ist das bewusste Anbieten primärer Reize. Wichtig beim Snoezelen ist die Begleitung der behinderten Menschen durch eine Bezugsperson. Die behinderten Menschen müssen die Möglichkeit haben, selbst zu bestimmen, wie und in welchem Tempo sie snoezelen möchten.

1. 1 Klassisches Konzept

Durch die Begründer Hulsegge / Verheul wurde in den siebziger Jahren das klassische Konzept entwickelt. Darunter versteht man eine primäre Aktivierung, die vor allem auf sinnliche Wahrnehmung und sinnliche Erfahrungen gerichtet ist, mit Hilfe von Licht, Geräuschen, Gefühlen, Gerüchen und durch Geschmackssinn, die der Benutzer frei wählen kann. Im klassischen Snoezelenkonzept wird davon ausgegangen, dass die Materialien in sich positiv wirken und jeder Benutzer entscheiden kann, was für ihn gut ist und was nicht.

1. 2 Reformiertes Konzept

Frau Dennerlein reformierte das klassische Snoezelenkonzept in den neunziger Jahren zu einem pädagogischen, therapeutischen und multifunktionalen Grundkonzept. Die Angebote werden unter Beachtung eines ganzheitlichen Verständnis und Menschenbildes im Einklang von Körper, Geist und Seele eingesetzt. Es werden alle

Wahrnehmungsverarbeitungsebenen angesprochen, um den anvertrauten Menschen in seiner Ganzheitlichkeit und Individualität erreichen zu können.

2. Inhaltliche Grundlagen

Beim Snoezelen stehen die Selbstbestimmung und die Freiwilligkeit der behinderten Menschen im Vordergrund. Unter Beachtung der individuellen Lebensbiografie des einzelnen Individuums und vorliegenden Diagnoseergebnissen wird eine Snoezelen - Einheit aufgebaut. Es werden individuelle Grundvoraussetzungen geschaffen. Wichtig ist vor allem die richtige Atmosphäre. Hierbei kommt es auf das Licht und die Geräusche an. Weiterhin stellt die eigene Entscheidung des behinderten Menschen einen wichtigen Aspekt dar. Die Wahl der Aktivität liegt bei dem behinderten Menschen selbst. Der Begleiter ist aufgefordert mit zu snoezelen. Da jeder behinderte Mensch eine andere Zeit für die Reizaufnahme benötigt, steht das eigene Tempo im Mittelpunkt der Snoezelen – Einheit. Die Begleitperson akzeptiert dieses Tempo und passt sich dem an. Die richtige Zeitspanne ist geprägt von Ruhe und Entspannung. Sie ist aber abhängig von der Reaktion des behinderten Menschen. Signale werden erkannt und interpretiert.

Eine wichtige Grundlage für Angebote bzw. Aktivitäten sind Wiederholungen. Die Aufgabe der Begleitperson ist es, ausgewählte Reizangebote zu schaffen um den behinderten Menschen nicht zu überfordern.

3. Ziele des Snoezelens

Das oberste Ziel des Snoezelens ist es, eine Situation zu schaffen, in der der behinderte Mensch sich so wohl und sicher fühlt, dass er sich entspannen und offen werden kann für eine sensomotorische Entwicklung.

Die allgemeine Aktivierung zur Förderung von Entwicklungs- und Lernprozessen, die Erweiterung von Umwelterfahrungen sowie die intensive Aufnahme von Reizen sind ebenso Ziele des Snoezelens. Beim Snoezelen wird die Kommunikations- und Kontaktbereitschaft geweckt und es kommt zur Entwicklung und zum Aufbau von Vertrauen, Kontakt- und Beziehungsfähigkeit. Das freie Erleben steht im Mittelpunkt der Wahrnehmungserfahrung des behinderten Menschen.

4. Wahrnehmung und Wahrnehmungsbereiche

In diesem Bereich handelt es sich um die Wahrnehmungsbereiche Sehen, Hören, Fühlen, Riechen und Schmecken. Die Wahrnehmung umfasst alle Prozesse, die an der Verarbeitung von Informationen aus den Sinnesorganen beteiligt sind, das heißt es ist das Ergebnis der Informationsgewinnung. Die Aufnahme von Informationen erfolgt durch die spezifischen Sinnesorgane. Im Gehirn werden die aufgenommenen Botschaften sinnvoll verarbeitet und führen zu einer Reaktion bzw. Speicherung. Die Fähigkeit wahrzunehmen, ist die Voraussetzung unsere Umwelt zu erkennen. Sie konzentriert sich darüber hinaus auf alle Entwicklungsbereiche, wie Motorik, Sozialverhalten, Spiel- und Sprachentwicklung und steuert in Zusammenarbeit mit dem Gehirn die Bewegungsabläufe.

Es ist aber nicht für alle Menschen selbstverständlich, die Umwelt wahrzunehmen. Besonders behinderte Menschen haben Beeinträchtigungen in der Wahrnehmung und Wahrnehmungsverarbeitung. Die vielfältigen Sinneseindrücke, die im Alltag auf behinderte Menschen einwirken, können sie überfordern und können dazu führen, dass sie gestresst und unruhig wirken. Die Reize strömen auf das Gehirn ein und können nicht geordnet werden. Somit kann eine Reizüberflutung die Folge sein.

4.1 Auditive Wahrnehmung

Zur auditiven Wahrnehmung zählt der Hörsinn. Mit dem Ohr können Geräusche, Töne und Stimmen in verschiedenen Lautstärken gehört werden. Menschen verbinden oft mit bestimmten Geräuschen eine Erinnerung, egal ob positiv oder negativ. Vor allem die Musik erinnert an verschiedene Lebenssituationen. Zwischen der visuellen Wahrnehmung und dem Gehör besteht eine starke Verbindung. Der Hörsinn lenkt die Aufmerksamkeit des Auges auf die Informationsquelle. Bei den behinderten Menschen fällt auf, dass sie zwar hören können, aber nicht immer zu hören. Sie können oft auf das Gehörte nicht angemessen reagieren und dieses umsetzen. Geräusche können sowohl angenehm als auch unangenehm sein.

Ohne Gehör wäre eine Kommunikation nur schwer möglich. Deshalb ist es wichtig, gezielte Angebote zu machen. Das können z.B. das Spielen von Instrumenten oder musikalisch untermalte Geschichten sein. Die positive Wirkung soll für die Entwicklung und Festigung des Gehörs genutzt werden. Nutzer des Snoezelenraumes hören intensiver. Ihre Neugierde, das Interesse und die Aufmerksamkeit sollen geweckt und die Konzentration gefördert werden.

Im auditiven Bereich stellt die Musik das wichtigste Element dar. Es können beim Snoezelen vielfältige Musikrichtungen angewandt werden, wobei aber die Vorlieben des behinderten Menschen berücksichtigt werden müssen. Klare und ruhige Musik ist von Vorteil. Entspannungsmusik kann unterschiedliche Stimmungen hervorrufen, welche positiv und negativ sein können. Vor allem bei behinderten Menschen, dessen Gehör eingeschränkt ist, kann es zu Misstrauen kommen.

4.2 Visuelle Wahrnehmung

Das Auge ist eines der fünf Sinnesorgane. Man kann damit nicht nur Formen, Farben, Bilder und Bewegungen erfassen, sondern es dient ebenso der Informationsaufnahme. Es ist das meist gebrauchte Sinnesorgan, das viele Reize erfasst. Die zunehmend grellen Farben mit Lichteffekten, künstlich erzeugtes Licht und Lichtblitze überbeanspruchen das Auge sehr und es wird unruhig und unkonzentriert.

Durch die visuelle Anregung im Snoezelenraum können Schwerpunkte in dem Fixieren auf optische Signale sowie das Verfolgen einzelner Objekte und Bewegungseinrichtungen gesetzt werden. Die optischen Reize sollen zu einer Steigerung der Konzentration und des Interesses führen. Verschiedene Farben mit ihren unterschiedlichen Wirkungen tragen positiv zum Wohlbefinden des behinderten Menschen bei. Farben beeinflussen das Bewusstsein, die Emotionen und den Körper. Der Snoezelenraum soll den behinderten Menschen durch optische Geräte, wie z.B. Spiegelkugeln, Faseroptikgeräte und Effektprojektoren verschiedene Möglichkeiten zur Anregung des visuellen Bereiches bieten. Die gedämpfte Beleuchtung im Snoezelenraum bedingt eine langsame Gewöhnung des Auges an die bestehenden Lichtverhältnisse.

4.3. Taktile Wahrnehmung

Die Haut ist das größte Wahrnehmungsorgan. Sie ermöglicht uns auf Kälte, Wärme und Vibration zu reagieren. Durch den Tastsinn können wir Formen und Zustände erfühlen, was erklären könnte, dass vor allem geistig schwer- und sehbehinderte Menschen häufig Gegenstände berühren und diese auch in den Mund stecken.

Die Möglichkeit zu fühlen, ist für viele behinderte Menschen die einzige Möglichkeit zur Kontaktaufnahme und zur Vermittlung von Geborgenheit.

Im Snoezelenraum überwiegt die taktile Wahrnehmungsförderung über die Hände. Die Tastobjekte werden für die behinderten Menschen so konzipiert, dass sie sich intensiv damit auseinander setzen können. Ein weicher Boden ist dafür unerlässlich. Dadurch fühlen sich die behinderten Menschen wohler und entspannen zusätzlich.

5. Ausgestaltung

Unsere Snoezelenräume beinhalten folgende Basiselemente:

Neben der Grundausstattung besitzen unsere Snoezelenräume verschiedene individuelle Ausstattungsmerkmale.

Der Raum weist eine entsprechende Temperatur (22 – 24 °C) und einen angenehmen Duft auf. Die Räumlichkeiten sind weiß bzw. in Pastellfarben gestaltet.

Zur taktilen Wahrnehmung bieten wir ein Musikwasserklangbett an. Es ist mit einer Heizung ausgestattet, was das Auskühlen der BewohnerInnen verhindert. Über die Installation von Pulsgebern unter dem Wasserbett, verbunden mit dem Einsetzen von Musik, werden Schwingungen auf das Wasserbett übertragen. Diese Klang-Ton-Schwingungen tragen zu einer vertieften Wirkung von Ruhe und Entspannung bei.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil sind Wassersäulen. Dabei führt der Einsatz von Spiegeln zu einer optischen Verdopplung. Hinzu kommt die Farbwechselfunktion. In gleichmäßigen Intervallen scheint das Wasser seine Farbe zu ändern. Die in der Säule aufsteigenden Blasen regen den Hör- und Tastsinn an.

Bei den Lichtfasersträngen fließen Licht und Farben durch Fäden aus Kunststoff, wobei in den Fasersträngen die Lichtpunkte an den End- und Knickstellen leuchten. Der Fasernebel besteht aus zwei Teilen: dem biegsamen und durchsichtigen Bündel von Fasern und einer starken Lichtquelle. In wechselnden Farben fließen die Fasern bis auf die Matte hinunter. Die Glasfasern können ergriffen und bewegt werden, so dass interessante Lichteffekte entstehen.

Projektoren ermöglichen es, verschiedene Bilder an die Wand zu projizieren. Diese regen die Phantasie an und wecken die Aufmerksamkeit. Die Spiegelkugel reflektiert in Verbindung mit einer farbigen Drehscheibe und einem Lichtspot Farbpunkte an die Wand. Eine breite Wirkung ist dadurch abgesichert. Die Kugel und die Drehscheibe drehen sehr langsam, um bei den BewohnerInnen keine Aufregung zu verursachen.

Die in den Snoezelenräumen befindlichen Tastwände sind beliebte Elemente, die die taktile und haptische Wahrnehmung anregen.

Das Wooferboard besteht aus ein Vibrationsboard sowie einen Verstärker mit Lautsprechern und wurde zur Sinneswahrnehmung und Erlebnissteigerung durch Schallübertragung konstruiert. Ein elektrodynamischer Schwinger überträgt die Schallwellen als körperlich spürbaren Reiz. Die speziell für das Wooferboard entwickelte Bodenmatte kann sowohl in Mattenlandschaften integriert, als auch als Matratze im Bett eingesetzt werden. Der Ausschnitt auf der Unterseite der Bodenmatte nimmt das Wooferboard auf und somit werden die Vibrationen auf die gesamte Matte übertragen. Somit entsteht ein weiches und bequemes Klangerlebnis. Musik ist ein wichtiges Element für die BewohnerInnen. Die Auswahl der Musik erfolgt nach den individuellen Vorlieben und Bedürfnissen der NutzerInnen. Entspannungsmusik in gedämpften Tönen ist am sinnvollsten. Wir nutzen Naturklänge, wie Meeresrauschen oder Vogelgesang. Im Vordergrund der Anwendung von Musik steht der Entspannungseffekt.

Weiterhin haben wir Sitzsäcke, die sich der Körperhaltung anpassen und sehr bequem sind. Decken und Kissen geben im Snoezelenraum das Gefühl von Wärme, Sicherheit und Geborgenheit. Ebenso findet man Massagematerialien in vielfältiger Form.

6. Methodik und Didaktik

Zur individuellen und ganzheitlich orientierten Sinnesarbeit leisten wir Folgendes:


7. Phasen einer Snoezeleneinheit

Die Umsetzung einer Snoezeleneinheit beinhaltet folgende Phasen:

und erfolgt zwischen wenigen Minuten bis zu maximal einer Stunde, je nach Zielsetzung, Bedürfnislage und nach Symptombefunderhebung der Ärzte und Therapeuten.

Erstellt am: 12. April 2013 von Frau Reuter und Frau Franke

Geprüft am 23. April 2013 von der Geschäftsführerin Frau Reimer

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